Verena – Sohn mit Cerebralparese – nennt das Kind beim Namen!

Zerebralparese bei Kindern

Inklusionsaktivistin und pflegende Mutter

Als Inklusionsaktivistin und pflegende Mutter habe ich eine Bitte an euch: Wenn ihr beruflich oder privat mit einem Kind zu tun habt, dass eine Behinderung hat dann sprecht es aus.

Nehmt nicht euphemistische Begriffe in den Mund und Umschreibungen, wie ein. besonderes Wunder, Specialneeds Kid, Kind mit besonderen Fähigkeiten oder mit Handicap.

Auch ihr Eltern bitte nennt das Kind beim Namen, wenn es behindert ist sagt es doch genau so. Sonst gebt ihr auch anderen das Gefühl es sei etwas Schlimmes, diese zutreffende Bezeichnung zu verwenden.

Mama eines Sohns mit Cerebralparese

Ist Behinderung ein Schimpfwort?

Leider wird behindert noch immer als Schimpfwort ge- oder besser gesagt missbraucht. @allinklusiv ist einer der vielen Influencer*innen, die das anprangern.

Auch diverse Behinderungen wie Spastiker und ähnliche Begrifflichkeiten werden noch immer genutzt, um andere zu beleidigen ohne zu wissen was das überhaupt bedeutet Spastiken zu haben. Was ich nicht nachvollziehen kann und mich als Mama eines Sohns mit Cerebralparese, der eben Spastiken in allen Gliedmaßen hat, sehr trifft. Denn andere schwerwiegende Erkrankungen würde wohl kaum jemand derart abwertend verwenden.

Und dieser negative Gebrauch eines eigentlich wertneutralen Adjektivs ist untragbar und ableistisch.

Auf Augenhöhe begegnen…

Natürlich gehen auch innerhalb der aktuellen Behindertenrechtsbewegung die Meinungen auseinander. So fordern einige auch, dass endlich wieder die komplizierte People first Konstruktion “mit Behinderung” abgeschafft wird und ‘behindert” als identitätsstiftendes Eigenschaftswort wieder vorangestellt wird. (@RaulKrauthausen schreibt dazu u.a.) .

Besonders befremdlich finde ich, wenn Eltern von behinderten Kindern, ganz schnell nachschieben – direkt wenn sie festgestellt haben, dass ihr Kind eine – wie auch immer geartete – physische oder Sinnesbehinderung hat – “Aber das ist nur körperlich”. Als wäre eine kognitive Behinderung an sich noch “verwerflicher”, etwas wovon man sich sogar in unserer Sonderwelt als pflegende Familien noch scheinbar abgrenzenden muss. Ich hatte ein spannendes Gespräch mit einem Pädagogen, der mich auf einen ganz neuen Trichter brachte: Es gibt keine geistige Behinderung! Denn nur, weil jemand sich nicht auf uns leicht verständliche Weise äußern kann oder Defizite in einigen Lernfeldern hat, heißt es nicht, dass die Person nichts versteht oder nicht empfinden oder denken könnte. Und er erst, wenn man davon ausgeht, dass jemand mit Behinderungen einen auch versteht, wird man ihm oder ihr auch auf Augenhöhe begegnen.

Behinderte Kinder!?

Schließlich reden viele Menschen mit ihrem Haustier ungezwungener und normaler als mit einem Menschen mit Behinderung, sei er jung oder alt. Lasst uns den Begriff wieder zurück erobern und zu unseren Kindern mit Behinderungen stehen – als behinderte KINDER. Denn das Kind soll im Vordergrund stehen alles andere, ob groß oder klein, Nationalität, Hautfarbe, Behinderungen und andere Faktoren sind Eigenschaften, die das Leben von ihnen und ihren Familien und wie mit ihnen gegangen mit bedingen.

Aber lasst uns unseren Kindern zeigen, dass wir stolz auf sie sind. Dass sie geliebt sind mit allem was zu ihren gehört – sei es eine Charaktereigenschaft, ihr Aussehen, Verhalten, eine Erkrankung, Behinderung oder anderes – all das macht sie zu der Person, die sie sind. Nichts Schöneres als Eltern, die ihr Kind bedingungslos lieben und öffentlich zu ihm und seiner Behinderungen stehen.

Verena

Hier findest du den Beitrag:

Perspektivenwechsel – Zerebralparese eines 4-jährigen Kindes

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